zur Startseite

 

 


Antea K2 von Sky Paragliders

 

 

30.10.2010

Ich denke es haben viele Walk & Flyer auf sowas wie den Antea K2 gewartet. Kein 1er oder 1-2er bzw. LTF A oder B, aber auch kein Minischirm, Speedflyer oder Speedrider, einfach einen Flügel der klein, leicht und Platz sparend ist aber trotzdem noch richtig und gut fliegt.
Wer diese Vorstellungen hat, sollte den Antea K2 mal probefliegen.

Leider konnte ich bis dato nur wenige Flüge mit dem Schirm absolvieren, möchte den ParaAlpin Besuchern meine wenigen Erfahrungen jedoch nicht vorenthalten.

Beim Antea K2 handelt es sich um einen Antea XS in Leichtbauweise. Der Flügel ist größten Teils aus 27 Gramm Leichttuch gefertigt. Lediglich stärker belastete Schirmteile wie z.B. Eintrittskante Obersegel und Zellwände sind aus festerem Tuch. Die Steuergriffe sind mit einem Steg für Zeige und Mittelfinger ausgestattet wie man es bei Acroschirmen kennt. In die Verbindung zur Steuerleine ist sinnvoller Weise ein Wirbel eingebaut der das ständige Verdrehen der Steuerleinen verhindert.

Mit 3,355 kg nach eigener Messung und einem sensationell kleinem Packmaß  gehört der Antea K2 sicherlich zu der Gruppe der Bergsteigerschirmen, allerdings mit etwas anderem Handling und wohl auch besserer Leistung.
Durch das übersichtliche Leinenkonzept gestaltet sich die Startvorbereitung recht einfach. Lediglich auf die Galerieleinen die nicht ummantelt sind sollte man ein Augenmerk werfen.
Bereits beim Start macht sich die höhere Dynamik deutlich bemerkbar. Der Flügel steigt sehr schnell über den Piloten und muss, um ein Überschießen zu vermeiden, ordentlich angebremst werden. An steilen Startplätzen und/oder viel Wind kommt dies besonders zur Geltung. Bei mehr Wind wird ohnehin rückwärts gestartet und hierbei kann man dieser "Unart" recht gut begegnen, indem man dem Schirm in der Steigfase einfach entgegenläuft und ihm die Energie so etwas herausnimmt. Etwas problematischer sind wechselnde Windrichtungen am Startplatz. Der Flügel schluckt diese nicht einfach weg, sondern reagiert sehr schnell darauf.
Im Flug ist erstmal die höhere Trimmgeschwindigkeit auffallend. Ich hab die 21 m² des Antea K2 mit knapp 100 kg gut belastet, was sich in der Geschwindigkeit doch etwas bemerkbar macht. Ich hatte leider keine idealen Verhältnisse für eine Geschwindigkeitsmessung, aber ungefähr lag diese bei meiner Belastung bei 42 km/h und die max. Geschwindigkeit bei 56 km/h. Als Gurtzeug benutzte ich das Swing Connect Reverse und das Nervures Bivouac.

Die hohe Dynamik, die präzise Umsetzung der Steuerimpulse und die daraus resultierende Drehfreudigkeit machen den Antea K2 zu einem richtigen Spaßflügel. Der Schirm muss allerdings etwas feinfühlig geflogen werden, grobmotorisches Verhalten bestraft der Antea K2 sofort mit Leistungsverlust, besonders in schwacher Thermik. Mit wenig Bremse und wenig Gewicht lässt sich der Antea extrem flach drehen und setzt die Thermik (auch die schwache die ich im Herbst noch finden konnte) sofort in Höhe um. Durch die niedrigere Rolldämpfung zeigt der Flügel exakt die vertikalen Luftbewegungen an, was gerade in schwacher Thermik von entscheidendem Vorteil sein kann.

Das Verhalten nach Klappern ist bei großer Flächenbelastung doch deutlich anspruchsvoller, dürfte aber den geübten Piloten vor keine unlösbare Aufgabe stellen. Bei Klappern von 50 % und darüber, reagiert der Flügel mit sofortigem und schnellem Wegdrehen. Bei solchen großflächigen Deformationen ist es sinnvoll nicht zu versuchen den Flügel auf Kurs zu halten, sondern ihn wegdrehen zu lassen und dabei dosiert gegen zu bremsen. Durch die höhere Geschwindigkeit im Wegdrehen erhöht sich der Staudruck und der Flügel öffnet schneller und durch dosiertes Gegenbremsen wird die Gefahr des einseitigen Strömungsabrisses deutlich vermindert.

Der B-Stall ist mit dem Antea K2 recht unproblematisch. Der Kraftaufwand beim Einleiten ist nicht sehr hoch und der Flügel kippt nur mäßig nach hinten. Bei weiterem nach unten ziehen der Tragegurte wird die Kappe etwas unstabil und bekommt eine leichte S Form. Die Ausleitung soll zügig erfolgen. Das Vorschießen ist dabei gering.
Die Steilspirale lässt sich recht schnell einleiten. Mit Gewicht und Bremse eingeleitet, pfeift der K2 bereits nach einer halben Umdrehung in Richtung Grasnarbe. Die Sinkwerte sind gut dosierbar und wer möchte kann mit dem Antea auch gerne eine 20 Meter Spirale genießen. Bei der Ausleitung einer Spirale mit hohen Sinkwerten, setzt der Flügel die "aufgestaute" Energie sofort in Höhe um. Der Pilot sollte nicht überrascht sein wenn er mit dem Antea K2, wenn auch nur kurze Zeit, wieder mit 6 m/s nach oben steigt.

Die Landung ist mit dem Flügel unproblematisch. Fliegt man den gewählten Landeplatz mit Vollspeed an, kann man den Antea wunderbar lange ausflaren.

Resümee:
Der Antea K2 ist sicherlich nicht der Flügel für jeden Piloten. Besonders Anfänger und Wenigflieger sollten lieber die Finger davon lassen. Die Streckung von 5,5 lässt vermuten, dass es sich hier aber auch nicht um eine Höllenmaschine handelt die nur ausgesprochen versierte Piloten in die Hände bekommen dürfen. Andererseits geht die projizierte Streckung doch deutlich in Richtung Hochleister. Piloten mit entsprechender Erfahrung werden aber Spaß und Freude daran haben mit diesem bis heute einzigartigen Gerät in die Luft zu gehen. Das etwas anspruchsvollere Startverhalten ist nach einigen Starts auch recht gut in den Griff zu bekommen.

Anmerkung:
Die von mir beschriebenen Reaktionen des Antea K2 treffen auf ein Startgewicht von 100 kg zu. Der Flügel kann lt. Sky Paragliders mit einem Startgewicht von 50 - 100 kg geflogen werden. Weicht dieser Parameter stark ab, wird der Flügel auch deutlich anders reagieren.
Der Antea K2 ist nicht gütegesiegelt, es wurde jedoch ein Lasttest durchgeführt.
Weitere Infos sind hier zu finden und auf der Seite von Sky
Das Testgerät wurde vom flightclub.org zu Verfügung gestellt.